Weil Gewordenes nicht einfach gewesen ist
Der Schweizer mit skandinavischen Wurzeln hinterliess 2024 ein breites literarisches Werk, das der wortesekundant Verlag nach und nach veröffentlicht.
Wenn sich ein Verlag fände, der das besser als wir könnte, müssten wir Andres Morgen ziehen lassen.
"Während Ellie morgens in Erlenbach auf die S-Bahn wartete, las sie die bereitliegende Pendlerzeitung in fünf Minuten und begann, die mitgebrachte NZZ in zwanzig zu lesen."
Wie lässt sich Geschriebenes verdauen, in welchen Portionen wird es verständlich, bleibt es nahrhaft?
Kurzgeschichten sind wie Schulaufsätze, beliebig einfach, beliebig schwierig. Vierundzwanzig stehen am Anfang meines Schreibens.
"Dosen" sind die ersten Kurzgeschichten, die Andres Morgen schrieb mit der Absicht, sie zu veröffentlichen. Haben sie, im Gestern entstanden, uns heute noch etwas zu sagen? Wir arbeiten daran…
"Mit der rechten Hand rieb sich der Mann das linke Armgelenk, dort, wo man üblicherweise eine Uhr trägt. Er trug keine. Dafür kratzte er sich auch den Rücken der linken Hand, und, ohne fertig zu werden, ebenso den rechten Handrücken. Auch fasste er sich ins Gesicht, strich sich durch die Haare, kraulte am Haaransatz hinten und vorne an den Koteletten, zog sich die Brille aus und griff sich an die Nasenwurzel. Unruhig rutschte er auf seinem Sitz umher."
Aufschreiben, wenn etwas passiert. Die Aufgabe ist gross genug. Sofort führt sie aus dem Tatsächlichen hinaus ins Interpretieren, wenn erklärt und unterhalten wird. Andres Morgens 3 x 4 Geschichten sind zwischen 20 bis 100 Seiten lang, sie erscheinen demnächst.
"Diese erzählten Geschichten entspringen meiner Erfahrung, sie sind fast ausschliesslich selbst erlebt, gewissermassen dokumentarisch. Und was entspringt meiner Fantasie? Dass ich objektiv schreibe. Reine Illusion und Fiktion sind nicht mein Ding, ich brauche sie nur, um motiviert zu bleiben. Ich brauche beispielsweise die Illusion, dass es jemand anderen interessieren könnte, was ich schreibe."
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Zurück zu den Ursprüngen, die bis in die Gegenwart ausstrahlen wie der Urknall - das Material von Andres Morgen sichten und in geeigneter Form vorstellen. Damit wollen wir beginnen, anbei ein Vorabdruck der ersten vier Geschichten, Publikation geplant 2025.
"Vor dem Abgrund fürchte ich mich. Keine Angst habe ich vor dem Windstoss, der in die Baumkrone fährt, der den Stamm zu beugen oder brechen droht. Heute zieht mich die spiegelnde Seeoberfläche an; sie trennt die Luft vom Wasser, sie verdoppelt Form und Farbe meines Schiffes."
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"«Weder Mord noch Totschlag - das ist keine Literatur!!» Nun, Herr Ranicki, es stellt sich die Frage, ob es eine Kunst ist, genau zu beobachten und zu erzählen? Nicht nur eine historische. Dann würde erzählen nicht nur erklären, sondern auch sinnvoll unterhalten."
"Die Fahrerin des Wagens steigt aus. «Ist etwas passiert?» fragt sie hinein in die Nacht. Sie kann mich kaum sehen in meiner roten Regenjacke, sie denkt wohl, ich sei auf Drogen. «Müssen Sie zum Arzt?» Ich sage nichts. «Soll ich die Sanität rufen?» - «Ja, ja», stammle ich undeutlich. "
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«Gott ist tot, erklärte Nietzsche.» Nun, da Nietzsche lange tot ist und auch wir alle sterben, stellt sich die Frage, ob irgendetwas ausser Gott überlebt? Das Volk, der Klan, das Imperium? Nur Anorganisches scheint Bestand zu haben. Geschriebenes?
"Die «Wahrheit» aufzeigen, nicht bloss eine Geschichte erzählen? Das gehört sich so für einen Schauprozess. Oder im Schauprozess wird gerade eben klar, dass die Wahrheit eine abgekartete Sache ist. Ich kämpfe dagegen an, im Allgemeinen, und werde zu Recht kritisiert wegen meiner ununter- drückbaren oder ununterdrückten Seitenhiebe."
Wann kommt er, der grosse Liebesroman, der allen alles erklärt, jeden zu Tränen rührt? Oder ist er schon da? Wir editieren die Fragmente und zermartern uns die Köpfe, was zu tun ist.
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